D. Ultrazeitlupen
Wer hat diese überflüssigen Ultrazeitlupen irgendwelcher Großaufnahmen erfunden?? Es kann doch eigentlich nur die FIFA sein, oder? Als (normalerweise) gutaussehender Kicker würde ich diese Aufnahmen verbieten. Ein Iker Casillas, nun wirklich ein schnuckliger Typ, sieht nun mal total beknackt aus, wenn man ihn mit 50 oder mehr Bilder pro Sekunde beim erleichterten Ausschnauben zeigt. Aber das hat ja wenigstens einen minimalen Unterhaltungswert, wohingegen ich auf die Erkenntnis, dass bestimmte Fußballschuhe anscheinend sieben Paar Schnürsenkellöcher haben, durchaus verzichten kann. Vor allem dann, wenn dadurch die Fußballrechte auch nur 2 Euro billiger werden.
Dienstag, 13. Juli 2010
Freitag, 2. Juli 2010
WM 2010 - Zwischenbilanz III
C. Kommentatoren, Moderatoren, Dilettanten
Kaum zu glauben, aber es gibt etwas, das die Leistung der Schiedsrichter sogar noch unterbietet: die Kommentatoren & Moderatoren.
Gut. Frau Müller-Hohensteins „innerer Reichsparteitag“, den Miro Klose ihrer Meinung nach abgehalten hat nach seinem ersten Tor, ist zu genüge diskutiert worden. (Es gibt einfach Dinge und Ausdrücke, die man nur vor seinen restlichen sechs Persönlichkeiten ausspricht.) Aber auch sonst mussten sich die Zuschauer selten so viel verbalen Dünnschiss reinziehen. Schade, dass bislang kein Kameramann oder sonst wer auf die Idee gekommen ist, private Vuvuzelas mitzubringen um damit wahlweise im Studio Party zu machen um die Scheiße zu übertönen oder den Flachpfeifen selbige in den Allerwertesten zu schieben.
Das gilt übrigens für alle drei WM-Sender. Wer noch das möchtegern spontane Gekabbel von Netzdelling lustig findet, dessen Humor will ich nicht kennenlernen. Und etwas Drögeres und Dämlicheres als die Kombi KMH und Kahn hat das ZDF selten zu bieten. Nur sehr, sehr schwer einzugestehen, aber lediglich RTL bietet ein wenig Unterhaltung mit der Spaßkombi Jauch & Kloppo, wenn auch die intellektuelle Note des Fußballs nicht so ganz durchkommt. Und auch wenn Klaus Veltmann und Klinsi nicht so wirklich die talentiertesten Kommentatoren sind, sei es nun wegen Formulierungsproblemen (Veltmann) oder wegen der natürlichen Voraussetzungen (Klinsis Piepsestimme): RTL hat's wenigstens mal kapiert, wie viel eine live-Übertragung gewinnt, wenn es zwei Mannen kommentieren. Wie es in nahezu allen anderen Fußballnationen übrigens seit Jahrzehnten gang und gebe ist.
Am schlimmsten sind diese unsäglichen Länderklischees. Das hat einfach nichts mit Journalismus zu tun und sollte dorthin, wo’s hingehört, also an den Stammtisch (oder in Facebook, dem Stammtisch 2.0). Nein, das was Argentinien da veranstaltet ist kein „Tango von Johannesburg“, dafür ist ihre klare Führung weder dramatisch noch traurig genug. Und jeder, der noch mal was von der „asiatischen Zurückhaltung und Höflichkeit, die sich in ihrem Fußball widerspiegelt“ faselt, kriegt von mir die Fresse poliert und anschließend einen unerträglichen Vortrag über die sogenannte „asiatische“ Mentalität. All dieses „Fado gegen Flamenco!“, „So ärgert sich ein Samurai!“ „Dieser Sieg ist so essentiell wichtig für Afrika!“ –Gequatsche zeugt von hochgradigem Dilettantismus, den wir leider auch noch mit unseren Gebühren finanzieren dürfen.
P.S. :Angesichts des Argentinienspiels morgen: Wenn noch EINE journalistische Instanz, ob nun n-tv, dpa oder WTF, die Argentinier als „Gauchos“ bezeichnet, reiche ich eine Klage wegen Volksverhetzung ein. Oder schlage vor, künftig konsequent die Niederländer als Tulpenk(n)icker, die Brasilianer als Sambahaxn und die Deutschen als Wurschdflanker zu bezeichnen.
Kaum zu glauben, aber es gibt etwas, das die Leistung der Schiedsrichter sogar noch unterbietet: die Kommentatoren & Moderatoren.
Gut. Frau Müller-Hohensteins „innerer Reichsparteitag“, den Miro Klose ihrer Meinung nach abgehalten hat nach seinem ersten Tor, ist zu genüge diskutiert worden. (Es gibt einfach Dinge und Ausdrücke, die man nur vor seinen restlichen sechs Persönlichkeiten ausspricht.) Aber auch sonst mussten sich die Zuschauer selten so viel verbalen Dünnschiss reinziehen. Schade, dass bislang kein Kameramann oder sonst wer auf die Idee gekommen ist, private Vuvuzelas mitzubringen um damit wahlweise im Studio Party zu machen um die Scheiße zu übertönen oder den Flachpfeifen selbige in den Allerwertesten zu schieben.
Das gilt übrigens für alle drei WM-Sender. Wer noch das möchtegern spontane Gekabbel von Netzdelling lustig findet, dessen Humor will ich nicht kennenlernen. Und etwas Drögeres und Dämlicheres als die Kombi KMH und Kahn hat das ZDF selten zu bieten. Nur sehr, sehr schwer einzugestehen, aber lediglich RTL bietet ein wenig Unterhaltung mit der Spaßkombi Jauch & Kloppo, wenn auch die intellektuelle Note des Fußballs nicht so ganz durchkommt. Und auch wenn Klaus Veltmann und Klinsi nicht so wirklich die talentiertesten Kommentatoren sind, sei es nun wegen Formulierungsproblemen (Veltmann) oder wegen der natürlichen Voraussetzungen (Klinsis Piepsestimme): RTL hat's wenigstens mal kapiert, wie viel eine live-Übertragung gewinnt, wenn es zwei Mannen kommentieren. Wie es in nahezu allen anderen Fußballnationen übrigens seit Jahrzehnten gang und gebe ist.
Am schlimmsten sind diese unsäglichen Länderklischees. Das hat einfach nichts mit Journalismus zu tun und sollte dorthin, wo’s hingehört, also an den Stammtisch (oder in Facebook, dem Stammtisch 2.0). Nein, das was Argentinien da veranstaltet ist kein „Tango von Johannesburg“, dafür ist ihre klare Führung weder dramatisch noch traurig genug. Und jeder, der noch mal was von der „asiatischen Zurückhaltung und Höflichkeit, die sich in ihrem Fußball widerspiegelt“ faselt, kriegt von mir die Fresse poliert und anschließend einen unerträglichen Vortrag über die sogenannte „asiatische“ Mentalität. All dieses „Fado gegen Flamenco!“, „So ärgert sich ein Samurai!“ „Dieser Sieg ist so essentiell wichtig für Afrika!“ –Gequatsche zeugt von hochgradigem Dilettantismus, den wir leider auch noch mit unseren Gebühren finanzieren dürfen.
P.S. :Angesichts des Argentinienspiels morgen: Wenn noch EINE journalistische Instanz, ob nun n-tv, dpa oder WTF, die Argentinier als „Gauchos“ bezeichnet, reiche ich eine Klage wegen Volksverhetzung ein. Oder schlage vor, künftig konsequent die Niederländer als Tulpenk(n)icker, die Brasilianer als Sambahaxn und die Deutschen als Wurschdflanker zu bezeichnen.
Donnerstag, 1. Juli 2010
WM 2010 - Zwischenbilanz II
B. Schiedsrichter
Tja, die Schiedsrichter … Waren die schon immer so schlecht? Oder waren es nur ein paar Ausreißer, die zufällig geballt auftraten? So oder so ist es äußerst ärgerlich – und unsinnig, wenn in dem einen Spiel im Minutentakt Karten verteilt werden, in einem anderen in der 85. Minute zum ersten Mal nach dem Karton gekramt wird. „Gleiche Voraussetzung für alle“ sieht definitiv anders aus. Um es mit den Worten von Neuseelands Kapitän Ryan Nelsen zu sagen: „Wenn das die besten Schiedsrichter sind, die die FIFA zu bieten hat, will ich die schlechten gar nicht sehen.“
Erst bei dem Spiel GER-ENG wurde klar, dass alles nur einem höheren Zweck diente: Die Nichtanerkennung des 2-2 Ausgleichtores von Lampard, das blöderweise niemand gesehen hat, machte endlich die „Rache von Wembley“ möglich, nach der die Deutschen seit 44 Jahren getrachtet hatten.
Um keinen Preis würde ich mit den Unparteiischen tauschen wollen. Jeder (einigermaßen Vernünftige) weiß, dass sie unter einem unvorstellbar hohen Druck stehen und ganz bestimmt ihr Bestes geben. Dennoch: Die Anzahl der irregulären Abseitstore, die meist spielentscheidend waren, tun wirklich weh und hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack.
Und, wer weiß - vielleicht gibt es 2014 den Videobeweis oder den Chip im Ball? Oder wir gucken die Spiele alle eh nur noch per i-podpadbook und google-earth, sodass wir, die Fans alles unter Kontrolle haben? Zu wünschen wäre nichts davon. Denn Fußball ist die schönste und irrationalste Hauptsache der Welt!
Tja, die Schiedsrichter … Waren die schon immer so schlecht? Oder waren es nur ein paar Ausreißer, die zufällig geballt auftraten? So oder so ist es äußerst ärgerlich – und unsinnig, wenn in dem einen Spiel im Minutentakt Karten verteilt werden, in einem anderen in der 85. Minute zum ersten Mal nach dem Karton gekramt wird. „Gleiche Voraussetzung für alle“ sieht definitiv anders aus. Um es mit den Worten von Neuseelands Kapitän Ryan Nelsen zu sagen: „Wenn das die besten Schiedsrichter sind, die die FIFA zu bieten hat, will ich die schlechten gar nicht sehen.“
Erst bei dem Spiel GER-ENG wurde klar, dass alles nur einem höheren Zweck diente: Die Nichtanerkennung des 2-2 Ausgleichtores von Lampard, das blöderweise niemand gesehen hat, machte endlich die „Rache von Wembley“ möglich, nach der die Deutschen seit 44 Jahren getrachtet hatten.
Um keinen Preis würde ich mit den Unparteiischen tauschen wollen. Jeder (einigermaßen Vernünftige) weiß, dass sie unter einem unvorstellbar hohen Druck stehen und ganz bestimmt ihr Bestes geben. Dennoch: Die Anzahl der irregulären Abseitstore, die meist spielentscheidend waren, tun wirklich weh und hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack.
Und, wer weiß - vielleicht gibt es 2014 den Videobeweis oder den Chip im Ball? Oder wir gucken die Spiele alle eh nur noch per i-podpadbook und google-earth, sodass wir, die Fans alles unter Kontrolle haben? Zu wünschen wäre nichts davon. Denn Fußball ist die schönste und irrationalste Hauptsache der Welt!
Mittwoch, 30. Juni 2010
WM 2010 - Zwischenbilanz
Heute ist der erste Tag ohne Fußball, seit die WM in Südafrika vor zweieinhalb Wochen begonnen hat. Zeit also für einen kleinen Rückblick – portionsweise. DAS sind die Themen:
A. Vorrunde
B. Schiedsrichter
C. Kommentatoren
D. Ultrazeitlupen
E. Sonstiges
A. Vorrunde
Es war wohl die lahmste Vorrunde der vergangenen Jahre, denn:
1. Noch nie zuvor waren so wenige Tore gefallen als alle Mannschaften jeweils einmal angetreten waren.
2. Echte Kracherbegegnungen wie früher England vs. Portugal fehlten. Und wenn es mal so etwas wie Portugal vs. Brasilien gab, endeten die Spiele null-null. Die einzige Mannschaft, bei der das Zuschauen Spaß machte, war – man kann es kaum glauben – Deutschland. (Das 7-0 von Portugal gegen Nordkorea zählt nicht. Wenn Spieler im Training gegen Plastikhütchen spielen, findet das ja auch keine Sau spannend.) Allenfalls Spanien konnte da zwischenzeitlich mithalten.
3. Echte Überraschungsmannschaften fehlten ebenso. Von Ghana abgesehen versagten mal wieder sämtliche afrikanischen Mannschaften, und die Slowakei ist nur weitergekommen, weil es die schwächste Gruppe war und Italien so bodenlos grottig, dass gegen die Azzurri wohl selbst Liechtenstein gewonnen hätte. Und wer denkt, Uruguay sei eine Überraschung, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.
Der einzige Grund, warum zum Schluss der Gruppenphase doch noch ein wenig Spannung in die Veranstaltung kam, war die Tatsache, dass erst 2 Teams (ARG und NED) sich bereits nach zwei Spielen für das Achtelfinale qualifizieren konnten. Sprich, bei fast allen Teams ging es im letzten Gruppenspiel um alles oder nichts – so ja auch Schland. Und das sagt wiederum was über das Niveau des dargebotenen Fußballs aus …
A. Vorrunde
B. Schiedsrichter
C. Kommentatoren
D. Ultrazeitlupen
E. Sonstiges
A. Vorrunde
Es war wohl die lahmste Vorrunde der vergangenen Jahre, denn:
1. Noch nie zuvor waren so wenige Tore gefallen als alle Mannschaften jeweils einmal angetreten waren.
2. Echte Kracherbegegnungen wie früher England vs. Portugal fehlten. Und wenn es mal so etwas wie Portugal vs. Brasilien gab, endeten die Spiele null-null. Die einzige Mannschaft, bei der das Zuschauen Spaß machte, war – man kann es kaum glauben – Deutschland. (Das 7-0 von Portugal gegen Nordkorea zählt nicht. Wenn Spieler im Training gegen Plastikhütchen spielen, findet das ja auch keine Sau spannend.) Allenfalls Spanien konnte da zwischenzeitlich mithalten.
3. Echte Überraschungsmannschaften fehlten ebenso. Von Ghana abgesehen versagten mal wieder sämtliche afrikanischen Mannschaften, und die Slowakei ist nur weitergekommen, weil es die schwächste Gruppe war und Italien so bodenlos grottig, dass gegen die Azzurri wohl selbst Liechtenstein gewonnen hätte. Und wer denkt, Uruguay sei eine Überraschung, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.
Der einzige Grund, warum zum Schluss der Gruppenphase doch noch ein wenig Spannung in die Veranstaltung kam, war die Tatsache, dass erst 2 Teams (ARG und NED) sich bereits nach zwei Spielen für das Achtelfinale qualifizieren konnten. Sprich, bei fast allen Teams ging es im letzten Gruppenspiel um alles oder nichts – so ja auch Schland. Und das sagt wiederum was über das Niveau des dargebotenen Fußballs aus …
Donnerstag, 17. Juni 2010
Spooky, 8: Schiffe und meer
Die Tradition des Schiffnamenlesens und (innerlich) -notierens wird auch in Berlin fortgeführt, wenn auch hier größtensteils nur Ausflugsdampfer unterwegs sind. Dementsprechend wenig abwechselungsreich sind die hiesigen Namen. Jedenfalls werde ich verfolgt: Seit ein paar Wochen sehe ich permanent - auf dem Weg von der oder zur Arbeit, abends am Strand - die Jolle "Monbijou" der Sternschiffahrt Berlin. Das Kuriose ist vor allem, dass das Teil mir hauptsächlich donnerstags begegnet. Vielleicht sollte ich mal überprüfen, ob der Kapitän der ehemaliger Bäcker/Fahrer einer gewissen türkische Bäckerei in Mainz ist …
Die kunterbunten, lustig gekleideten Menschen machen allerdings den Schiffsnamenmangel locker wett. Selbst nach viereinhalb Monaten muss ich sagen, dass ich in U- und S-Bahn immer noch am liebsten Leute gucke anstatt zu lesen. Die Krönung traf ich aber vorgestern Abend am Ausgang S-Bahnhof Ostkreuz: Ein junger Mann spielte melancholisch Cello mit Ghettoblaster-Verstärker. Das an sich ist ja nun nicht weiter erwähnenswert, wenn er nicht … in Camouflagebermudas und Springerstiefeln da gesessen hätte, und eine Latex-Katzenmaske auf dem Kopf gehabt hätte. So eine, die an Pro-Wresling erinnert. Mit Augenschlitzen und Gummischnurrhaaren und so. Tja.
生きてるといろんなもん見るねえ。
Die kunterbunten, lustig gekleideten Menschen machen allerdings den Schiffsnamenmangel locker wett. Selbst nach viereinhalb Monaten muss ich sagen, dass ich in U- und S-Bahn immer noch am liebsten Leute gucke anstatt zu lesen. Die Krönung traf ich aber vorgestern Abend am Ausgang S-Bahnhof Ostkreuz: Ein junger Mann spielte melancholisch Cello mit Ghettoblaster-Verstärker. Das an sich ist ja nun nicht weiter erwähnenswert, wenn er nicht … in Camouflagebermudas und Springerstiefeln da gesessen hätte, und eine Latex-Katzenmaske auf dem Kopf gehabt hätte. So eine, die an Pro-Wresling erinnert. Mit Augenschlitzen und Gummischnurrhaaren und so. Tja.
生きてるといろんなもん見るねえ。
Dienstag, 1. Juni 2010
Neulich, im Flugzeug ...
... endlich ein SPIEGEL-Auftritt-verdächtiger Pilot:
„Guten Abend meine Damen und Herren, ich begrüße Sie herzlich zu unserem Abendausflug von Stuttgart nach Berlin-Tegel an Bord der Boeing 737. Falls Sie für morgen Vormittag in Berlin noch kein Programm haben, empfehle ich Ihnen das freie Casting zur Bundespräsidentenwahl ab 10 Uhr im Schloss Bellevue. Teilnahmevoraussetzung sind ein Alter von mindestens 25 Jahren* sowie ein gültiger Lichtbildausweis. Wir sind momentan optimistisch, dass wir pünktlich starten können und freuen uns auf einen zeitigen Feierabend in Berlin. Machen Sie es sich gemütlich, es ist genügend Platz für alle da. Und gerne können Sie sich ans Fenster setzen, das ist gut, denn dann denken die anderen, unser Flug sei voll ausgebucht.
Wir wünschen Ihnen einen schönen Dienstagabend und wir freuen uns, dass Sie sich für das Original entschieden haben – Sie wissen ja, auf dieser Strecke sind derzeit viele Fälschungen unterwegs.“
Nachdem alle Passagiere ausgestiegen und in den Zubringerbus verschafft waren, machte er noch aus seinem Cockpit winke-winke.
*Bem.: Stimmt nicht. Mindestalter = 40 Jahre
„Guten Abend meine Damen und Herren, ich begrüße Sie herzlich zu unserem Abendausflug von Stuttgart nach Berlin-Tegel an Bord der Boeing 737. Falls Sie für morgen Vormittag in Berlin noch kein Programm haben, empfehle ich Ihnen das freie Casting zur Bundespräsidentenwahl ab 10 Uhr im Schloss Bellevue. Teilnahmevoraussetzung sind ein Alter von mindestens 25 Jahren* sowie ein gültiger Lichtbildausweis. Wir sind momentan optimistisch, dass wir pünktlich starten können und freuen uns auf einen zeitigen Feierabend in Berlin. Machen Sie es sich gemütlich, es ist genügend Platz für alle da. Und gerne können Sie sich ans Fenster setzen, das ist gut, denn dann denken die anderen, unser Flug sei voll ausgebucht.
Wir wünschen Ihnen einen schönen Dienstagabend und wir freuen uns, dass Sie sich für das Original entschieden haben – Sie wissen ja, auf dieser Strecke sind derzeit viele Fälschungen unterwegs.“
Nachdem alle Passagiere ausgestiegen und in den Zubringerbus verschafft waren, machte er noch aus seinem Cockpit winke-winke.
*Bem.: Stimmt nicht. Mindestalter = 40 Jahre
Donnerstag, 20. Mai 2010
Irgendwann … oder: How soon is now?
Kürzlich war ich in der Fußball-Ausstellung im Stuttgarter Kunstgebäude mit dem sensationellen Titel "Gefühle, wo man schwer beschreiben kann" (Zitat Klinsi). Es geht um Fußball in BaWü, und wie dieser den Weltfußball beeinflusst hat. Klinsmann spielt natürlich als bekanntester Schwabenexport eine große Rolle - überall Videos auf Großbild, die das Herz eines jeden Fusifans hochschlagen lassen, sowie spannende bis lustige Exponate. Spannend: der original DFB-Pokal (von 1930er bis 1964 genutzt) mit dem nachträglich montierten DFB-Wappen an der Stelle, wo schön fett das Hakenkreuz eingraviert war (bzw. drunter: noch ist), sowie den eingravierten "deutschen" Pokalsiegern wie Rapid Wien 1938. Lustig: die original Werbetonne, gegen die der wütende Klinsi 1997 nach seiner Auswechselung getreten hat - inklusive Loch. Ich musste natürlich unbedingt ein Beweisfoto machen, in dem ich die Tonne trete … also, so tue als ob.
Der Grund für meinen Besuch in Stuttgart war aber ein Interview mit der Schiedsrichterlegende Rudolf Kreitlein. Er hat 1966 eines der unvergessensten WM-Spiele gepfiffen: das ViertelfinaleEngland vs. Argentinien. Ein argentinischer Spieler, Rattin, flog damals in der 37. Minute nach mehreren Verwarnungen vom Platz. Allerdings waren für diesen Flug mehrere Polizisten sowie eine siebenminütige Spielunterbrechung nötig. Der Grund: Verständigungsprobleme. Dieses Spiel wurde zum Auslöser für die Erfindung der Arschkarte - die Gelbe und Rote Karte waren geboren! Genau genommen war es eine Gemeinschaftsarbeit des englischen Schiedrichterbetreuers Ken Aston, der nach jenem Spiel stundenlang im Stau stand und genervt die gelb-roten Ampeln beobachtete, sowie Kreitlein, der am nächsten Tag "Das ist es!" rief, als er sich Astons Gejammer anhörte.
Rudolf Kreitlein ist heute 90 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh. Okay, er geht nicht so gut, und mich hat er nicht wirklich verstanden, selbst wenn ich direkt in sein Hörgerät gebrüllt habe. Aber sein Händedruck hätte mir beinahe meine Mittelhandknochen zertrümmert, schließlich war er Schneidermeister und hat sich sogar 1966 sein all-in-black Schiedrichterdress selbst genäht. Und er hat etwas sehr Beeindruckendes gesagt: "Irgendwann werde ich ganz runter in die Türkei ziehen."
Geil. Ich möchte mit 90 auch noch in der Lage sein, ohne wieteres das Wort "irgendwann" in den Mund zu nehmen.
Der Grund für meinen Besuch in Stuttgart war aber ein Interview mit der Schiedsrichterlegende Rudolf Kreitlein. Er hat 1966 eines der unvergessensten WM-Spiele gepfiffen: das ViertelfinaleEngland vs. Argentinien. Ein argentinischer Spieler, Rattin, flog damals in der 37. Minute nach mehreren Verwarnungen vom Platz. Allerdings waren für diesen Flug mehrere Polizisten sowie eine siebenminütige Spielunterbrechung nötig. Der Grund: Verständigungsprobleme. Dieses Spiel wurde zum Auslöser für die Erfindung der Arschkarte - die Gelbe und Rote Karte waren geboren! Genau genommen war es eine Gemeinschaftsarbeit des englischen Schiedrichterbetreuers Ken Aston, der nach jenem Spiel stundenlang im Stau stand und genervt die gelb-roten Ampeln beobachtete, sowie Kreitlein, der am nächsten Tag "Das ist es!" rief, als er sich Astons Gejammer anhörte.
Rudolf Kreitlein ist heute 90 Jahre alt und fit wie ein Turnschuh. Okay, er geht nicht so gut, und mich hat er nicht wirklich verstanden, selbst wenn ich direkt in sein Hörgerät gebrüllt habe. Aber sein Händedruck hätte mir beinahe meine Mittelhandknochen zertrümmert, schließlich war er Schneidermeister und hat sich sogar 1966 sein all-in-black Schiedrichterdress selbst genäht. Und er hat etwas sehr Beeindruckendes gesagt: "Irgendwann werde ich ganz runter in die Türkei ziehen."
Geil. Ich möchte mit 90 auch noch in der Lage sein, ohne wieteres das Wort "irgendwann" in den Mund zu nehmen.
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