NADER AND SIMIN, A SEPERATION von Asghar Farhadi - IRAN-F 2011(Wettbewerb)
Wenn das Wort "Schmerz" je einen Film verdient hat, dann diesen.
Er beginnt mit dem Gerichtstermin, in dem Simin ein letztes Mal verzweifelt versucht, die Scheidung von ihrem Mann Nader durchzusetzen. Sie will auswandern, raus aus Teheran und dem Iran, sie hat auch schon alle Papiere zusammen, denn sie sieht für sich, vor allem aber für ihre elfjährige Tochter Termeh keine Zukunft in dem restriktiven Land. Doch Nader will bleiben, um seinen schwer altzheimerkranken Vater zu pflegen und willigt der Ausreise der Tochter nicht ein, die sich - vorerst - entschieden hat bei ihm zu bleiben.
Notgedrungen verlässt Simin ihre Familie - nur vorübergehend, was ihr Mann jedoch nicht weiß. Er muss nun eine Pflegehilfe für seinen Vater anstellen, Razieh, eine strenggläubige Muslimin, obendrein auch noch schwanger. Sie verheimlicht ihrem arbeitslosen Ehemann, dass sie bei einem alleinstehenden Mann arbeitet, und fragt sogar beim muslimischen Telefonnotdienst nach, ob sie den Vater berühren darf, als dieser sich eingenässt hat. Als sie ihn eines Tages, für ein paar Stunden nur allein lässt, fällt der bettlägrige Vater. Zwischen Razieh und Nader kommt es zum heftigen Streit, infolgedessen sie ihr Ungeborenes verliert. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf, es kommt zum langen, unerbittlichen Rechtsstreit zwischend den beiden Familien. Doch womit hat es eigentlich angefangen? Damit, dass Simin auf ihre Trennung und Ausreise pochte? Oder dass Razieh Geheimnisse vor ihrem Mann hat, haben muss?
In dieser Familienfehde haben alle Recht, und doch sind sie auch alle im Unrecht und verstricken sich immer weiter in Lügen. Der schlimmste "Täter" jedoch ist der Staat, der stets über allen und allem schwebt und uns in jeder Szene begegnet: Wenn Razieh immer wieder mühselig den bleiern schweren Tschador zusammenrafft der nichts anderes ist als permanent im Weg; wenn der Richter willkürlich Strafen festsetzt, bevor er richtig zuhört; oder wenn Nader stur immer weiter versucht wenigstens seinen Stolz zu retten, da ihm sonst nichts mehr geblieben ist. Die Handlungen aller Figuren sind bis zur letzten Geste hundertprozentig nachvollziehbar, verständlich, so sehr, dass es schon wehtut. Und doch möchte man sie immer wieder an den Schultern packen und durchschütteln, allen voran Nader mit seiner endlosen Sturheit, die alles nur noch schlimmer macht. Peyman Moadi spielt den pragmatischen Ehemann und liebevollen Vater absolut herausragend. Ebenso wunderbar ist Sarina Farhadi als Termeh, die still alles erträgt und doch eigentlich die Einzige ist, die von Anfang an weiß, was das Richtige ist.
Bei allen politischen und moralischen Botschaften, die diesem Film immanent sind: Es ist und bleibt in erster Linie die großartig erzählte, perfekt inszenierte Geschichte einer zum Scheitern verdammten Ehe. Auch wenn Regisseur Farhadi seine Figuren wie beim Schachspiel geschickt, Zug um Zug in Richtung "Schachmatt" bewegt - er bleibt mit der Kamera und mit den Worten immer hautnah bei seinen Figuren. Nader und Simin sind fast nie gemeinsam im Bild, und wenn, dann von Glasscheiben und Türen getrennt. Und zugleich ist in jedem Blick Naders die Liebe zu seiner Frau zu sehen, die immer noch da ist - und in jedem Blick Simins die Verzweiflung darüber, dass Liebe allein nicht reicht, nicht unter diesen Umständen. Das Ganze kluminiert in der simplen wie grandiosen Schlussszene, die auf all die moralischen Fragen keine Antworten gibt. Und so bleibt die Trennung Nader und Simins Sinnbild eines zutiefst zerrissenen Landes.
hervorragend
Mittwoch, 16. Februar 2011
Montag, 14. Februar 2011
Berlinale 2011-1: Ausente
Über die Filme zu berichten, die mich nicht beeindruckt haben, ist mir die Zeit zu schade. Also folgen hier nur Besprechungen zu jenen, die mindestens ein "durchaus anschaubar" verdient haben.
AUSENTE (Absent), von Marco Berger - ARG 2011 (FORUM)
Ein Teenager sitzt auf der Bank in einem Schulschwimmbad. Er betrachtet seine Zehen, fährt sich immer wieder durchs Haar, später überprüft er mehrfach sein Aussehen im Spiegel. Es ist die Art von Selbstverliebtheit, die nur die Unsicherheit und die gleichzeitige Geltungssucht der Jugend hervorbringen kann. So ist sich der sechzehnjährige Martín, Schüler an einer Jungenschule in Buenos Aires, auch nicht im Klaren, was genau er da für seinen Sportlehrer Sebastian empfindet. Es äußert sich nur in einer Art bedrohlichem Verlangen, das von der fast schon "Psycho"-haften Thrillermusik untermalt wird.
Unter allerlei Vorwänden und einer gut ausgedachten Lügenkette schleicht er sich in Sebastians Wohnung ein. Martín flirtet mit ihm, kokettiert immer wieder mit der Tatsache, dass er unvorschriftsmäßig als Minderjähriger bei einem Lehrer übernachtet - sei es, indem ihm ganz aus Versehen das um die Hüfte geschlugene Handtuch just in dem Moment runterfällt, als die Nachbarin in der Tür steht oder indem er permanent lasziv und halbnackt auf dem Sofa hängt. Martín nutzt Sebastian für seine Spielchen aus und dieser will es zunächst nicht wahrhaben und sieht sich dem zunehmend hilflos gegenüber. Schließlich wird es Nacht, und, wie Martín später selbst sagt: "I thought maybe something would happen."
Dem jugendlichen Verlangen und rücksichtslosen Fordern, das Martín verkörpert, steht Sebastians abwehrende, stets auf die eigene Sicherheit bedachte Reserviertheit gegenüber, eine typisch erwachsene Eigenschaft. Und genauso auf ihre eigene Art rücksichtslos, wie Sebastian später - zu spät - erfahren wird. Denn auch wenn nicht in dieser Nacht und nicht das vermeintlich Erwartete geschient, es geschieht etwas. Es geht darum, dass manche Dinge einfach passieren und außerhalb unserer Kontrolle liegen. Und es geht um Vergebung.
Marco Bergers zweiter Langfilm dreht sich, wie auch sein Erstlingswerk "Plan B" (2009), um komplexe zwischenmenschliche Beziehungen und die sexuelle Identität, die sich daraus entwickelt und die bei ihm jedoch nie etwas Eingemeißeltes oder primär Definierendes ist. Javier de Pietro spielt Martín, das ewig lockende Babyface sehr überzeugend, v.a. wenn man bedenkt dass er zu dem Zeitpunkt schon 22 Jahre alt war. Ganz wunderbar ist jedoch Carlos Echevarria in seiner Rolle als Sebastian, der eigentlichen Hauptfigur. Er zeigt mit minimaler Mimik - ich habe mitgezählt: er lächelt im gesamten Film ganze zweimal - wie er sich von Martín auf unerklärliche Weise angezogen fühlt und dies zugleich verzweifelt abzuwehren versucht. Er senkt ganz leicht den Blick, wirft ihm garstige Worte an den Kopf, die er verschreckt wieder zurückholt. Das Zusammenspiel der beiden Hauptakteure macht denn auch die eingangs erwähnte und bisweilen anstrengende Musik allemal wett. Marco Berger ist es gelungen, die dunkle Seite des "Gefühls Jugend" in einen Film zu packen. Ja, er ist traurig, manchmal auch verwirrend, aber auch sehr warmherzig. Wie gesagt: die Jugend eben.
Also: sehenswert
AUSENTE (Absent), von Marco Berger - ARG 2011 (FORUM)
Ein Teenager sitzt auf der Bank in einem Schulschwimmbad. Er betrachtet seine Zehen, fährt sich immer wieder durchs Haar, später überprüft er mehrfach sein Aussehen im Spiegel. Es ist die Art von Selbstverliebtheit, die nur die Unsicherheit und die gleichzeitige Geltungssucht der Jugend hervorbringen kann. So ist sich der sechzehnjährige Martín, Schüler an einer Jungenschule in Buenos Aires, auch nicht im Klaren, was genau er da für seinen Sportlehrer Sebastian empfindet. Es äußert sich nur in einer Art bedrohlichem Verlangen, das von der fast schon "Psycho"-haften Thrillermusik untermalt wird.
Unter allerlei Vorwänden und einer gut ausgedachten Lügenkette schleicht er sich in Sebastians Wohnung ein. Martín flirtet mit ihm, kokettiert immer wieder mit der Tatsache, dass er unvorschriftsmäßig als Minderjähriger bei einem Lehrer übernachtet - sei es, indem ihm ganz aus Versehen das um die Hüfte geschlugene Handtuch just in dem Moment runterfällt, als die Nachbarin in der Tür steht oder indem er permanent lasziv und halbnackt auf dem Sofa hängt. Martín nutzt Sebastian für seine Spielchen aus und dieser will es zunächst nicht wahrhaben und sieht sich dem zunehmend hilflos gegenüber. Schließlich wird es Nacht, und, wie Martín später selbst sagt: "I thought maybe something would happen."
Dem jugendlichen Verlangen und rücksichtslosen Fordern, das Martín verkörpert, steht Sebastians abwehrende, stets auf die eigene Sicherheit bedachte Reserviertheit gegenüber, eine typisch erwachsene Eigenschaft. Und genauso auf ihre eigene Art rücksichtslos, wie Sebastian später - zu spät - erfahren wird. Denn auch wenn nicht in dieser Nacht und nicht das vermeintlich Erwartete geschient, es geschieht etwas. Es geht darum, dass manche Dinge einfach passieren und außerhalb unserer Kontrolle liegen. Und es geht um Vergebung.
Marco Bergers zweiter Langfilm dreht sich, wie auch sein Erstlingswerk "Plan B" (2009), um komplexe zwischenmenschliche Beziehungen und die sexuelle Identität, die sich daraus entwickelt und die bei ihm jedoch nie etwas Eingemeißeltes oder primär Definierendes ist. Javier de Pietro spielt Martín, das ewig lockende Babyface sehr überzeugend, v.a. wenn man bedenkt dass er zu dem Zeitpunkt schon 22 Jahre alt war. Ganz wunderbar ist jedoch Carlos Echevarria in seiner Rolle als Sebastian, der eigentlichen Hauptfigur. Er zeigt mit minimaler Mimik - ich habe mitgezählt: er lächelt im gesamten Film ganze zweimal - wie er sich von Martín auf unerklärliche Weise angezogen fühlt und dies zugleich verzweifelt abzuwehren versucht. Er senkt ganz leicht den Blick, wirft ihm garstige Worte an den Kopf, die er verschreckt wieder zurückholt. Das Zusammenspiel der beiden Hauptakteure macht denn auch die eingangs erwähnte und bisweilen anstrengende Musik allemal wett. Marco Berger ist es gelungen, die dunkle Seite des "Gefühls Jugend" in einen Film zu packen. Ja, er ist traurig, manchmal auch verwirrend, aber auch sehr warmherzig. Wie gesagt: die Jugend eben.
Also: sehenswert
Mittwoch, 9. Februar 2011
Gute Jahre, schlechte Jahre
Nach japanischem Volksglauben ist das 33. Lebensjahr einer Frau ein yakudoshi, also Unglücksjahr. Da ich im Dezember vergangenen Jahres 32 geworden bin und immer das Kalenderjahr zählt, in dem die Frau 33 wird, befinde ich mich also genau jetzt in diesem großen Unheil (taiyaku).
Es gibt verschiedene Theorien, woher dieser Glaube kommt. Eine davon ist, dass es an der Zahl 33 selbst liegt. Wenn man diese Zahl als "drei-drei" liest, kommt im Japanischen san-san heraus, was wiederum auch alle Mühen zunichte bedeuten kann. Andere gehen von der Numerologie des Ying-Yang aus, wonach eine doppelte Yingzahl wie die Dreiunddreißig Unglück bringt.
Doch auch hier gibt es, wie bei allen Arten von Aberglauben, eine optimistische - nun ja, genaugenommen: sich schön redende Leseweise. Yaku heißt zwar Unheil, hingegen yaku ni tatsu - natürlich mit einem anderen Sinoschriftzeichen - etwas bringen oder nutzen. In dieser Interpretation des yakudoshi steckt bestimmt auch der typische weil pragmatische Gedanke, dass jede Krise ihr Gutes hat.
So oder so: Anfang dreißig ist für Frauen, damals wie heute, sicherlich kein einfaches Alter. Es ist die Zeit, in der bei vielen die folgenschwersten Entscheidungen fallen. Karriere ja oder nein, und wenn ja - welche? Familie ja oder nein? Auswandern ja oder nein? Auch gesundheitlich gehen die ersten Probleme los, wie Rückenschmerzen, angeschlagenes Immunsystem, längere ... DEUTLICH längere Regenerationszeiten nach massivem Alkoholkonsum u.s.w. Und wenn ich um mich schaue, hat sich bei vielen meiner Freundinnen tatsächlich etwas Einschneidendes getan. Endlich Heiraten, plötzlich langjähriger Freund weg, endlich Kinderkriegen, plötzlich doch nochmal Studieren.
Für meinen Teil beschränken sich die Krisen und Katastrophen bislang auf die üblichen Gedanken (Frage nach dem Lebenssinn, allgemeine Ziellosigkeit) bzw. kleinen Wewehchen (Probleme mit dem Finanzamt, Kaffeekanne in der Küche explodiert) - fingers crossed!! denn wir haben ja erst Anfang Februar. Bei solchen Gedankengängen stelle ich mir nur immer wieder die Frage: Wenn man immer nur kleine Krisen und Chaos kennt, verdient - oder spürt? - man dann auch immer nur ein kleines Glück? Oder ist Glück sowieso relativ, und subjektiv allemal? Kann man sich überhaupt so etwas wie Glück verdienen? Keine Ahnung. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mir jetzt das ganz große Unheil herbeiwünsche. Was my own private yakudoshi betrifft, so werde ich der Dinge harren die da kommen wie sonst auch. Okay. Mit ein paar Talisman mehr als sonst.
... Hatte ich oben erwähnt, dass ich durch ein unglaublich blödes Missgeschick meinen schlangenförmigen Schutzring verloren habe ...?
P.S.: Für die Herren der Schöpfung ist übrigens das 42. Lebensjahr das yakudoshi, denn "vier-zwei" heißt im Japanischen shi-ni, also sterben. Midlifecrisis, sage ich da nur ...
Es gibt verschiedene Theorien, woher dieser Glaube kommt. Eine davon ist, dass es an der Zahl 33 selbst liegt. Wenn man diese Zahl als "drei-drei" liest, kommt im Japanischen san-san heraus, was wiederum auch alle Mühen zunichte bedeuten kann. Andere gehen von der Numerologie des Ying-Yang aus, wonach eine doppelte Yingzahl wie die Dreiunddreißig Unglück bringt.
Doch auch hier gibt es, wie bei allen Arten von Aberglauben, eine optimistische - nun ja, genaugenommen: sich schön redende Leseweise. Yaku heißt zwar Unheil, hingegen yaku ni tatsu - natürlich mit einem anderen Sinoschriftzeichen - etwas bringen oder nutzen. In dieser Interpretation des yakudoshi steckt bestimmt auch der typische weil pragmatische Gedanke, dass jede Krise ihr Gutes hat.
So oder so: Anfang dreißig ist für Frauen, damals wie heute, sicherlich kein einfaches Alter. Es ist die Zeit, in der bei vielen die folgenschwersten Entscheidungen fallen. Karriere ja oder nein, und wenn ja - welche? Familie ja oder nein? Auswandern ja oder nein? Auch gesundheitlich gehen die ersten Probleme los, wie Rückenschmerzen, angeschlagenes Immunsystem, längere ... DEUTLICH längere Regenerationszeiten nach massivem Alkoholkonsum u.s.w. Und wenn ich um mich schaue, hat sich bei vielen meiner Freundinnen tatsächlich etwas Einschneidendes getan. Endlich Heiraten, plötzlich langjähriger Freund weg, endlich Kinderkriegen, plötzlich doch nochmal Studieren.
Für meinen Teil beschränken sich die Krisen und Katastrophen bislang auf die üblichen Gedanken (Frage nach dem Lebenssinn, allgemeine Ziellosigkeit) bzw. kleinen Wewehchen (Probleme mit dem Finanzamt, Kaffeekanne in der Küche explodiert) - fingers crossed!! denn wir haben ja erst Anfang Februar. Bei solchen Gedankengängen stelle ich mir nur immer wieder die Frage: Wenn man immer nur kleine Krisen und Chaos kennt, verdient - oder spürt? - man dann auch immer nur ein kleines Glück? Oder ist Glück sowieso relativ, und subjektiv allemal? Kann man sich überhaupt so etwas wie Glück verdienen? Keine Ahnung. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mir jetzt das ganz große Unheil herbeiwünsche. Was my own private yakudoshi betrifft, so werde ich der Dinge harren die da kommen wie sonst auch. Okay. Mit ein paar Talisman mehr als sonst.
... Hatte ich oben erwähnt, dass ich durch ein unglaublich blödes Missgeschick meinen schlangenförmigen Schutzring verloren habe ...?
P.S.: Für die Herren der Schöpfung ist übrigens das 42. Lebensjahr das yakudoshi, denn "vier-zwei" heißt im Japanischen shi-ni, also sterben. Midlifecrisis, sage ich da nur ...
Freitag, 29. Oktober 2010
Zwischen Sonne und Halbmond
Dieses Jahr war ich also zum dritten Mal in der Türkei. Viele fragen mich - z.T. geradezu ungläubig - was genau es mir so angetan hat an diesem Land.
Zunächst einmal denke ich, dass es grundsätzlich kaum sachliche Argumente dafür gibt, warum man sich in ein Land und seine Leute, Lebensart oder Farben verliebt. Wenn sich jemand in einen Menschen oder einen Hund, oder meinetwegen auch Handtasche vernarrt, lässt sich das auch nur in den seltensten Fällen rational erklären.
Eines ist mir diesmal dennoch klar geworden. Ein Grund für meine Liebe zur Türkei und zu den Türken ist weniger spezifisch (manche würden sagen: verschroben) als die Verbindung, die ich zwischen Japan und der Türkei spüre, und die auch jeder den ich getroffen habe, der beide Nationen kennt, bislang bestätigt hat. Es ist viel mehr die Tatsache, dass es für mich das nächst mögliche "Asien" ist, das ich von Deutschland aus haben kann. Japan ist so weit weg und all das was dazwischen liegt kenne ich nicht und existiert mehr oder weniger nur in meiner Vorstellung. Deswegen suche ich dort auch immer, anders als die meisten Turkophilen, nicht den "Zauber des Orients", sondern die Mongolen, die Pferde, die Steppen, die Weite. Also das, was für mich "Asien" bedeutet.
Zunächst einmal denke ich, dass es grundsätzlich kaum sachliche Argumente dafür gibt, warum man sich in ein Land und seine Leute, Lebensart oder Farben verliebt. Wenn sich jemand in einen Menschen oder einen Hund, oder meinetwegen auch Handtasche vernarrt, lässt sich das auch nur in den seltensten Fällen rational erklären.
Eines ist mir diesmal dennoch klar geworden. Ein Grund für meine Liebe zur Türkei und zu den Türken ist weniger spezifisch (manche würden sagen: verschroben) als die Verbindung, die ich zwischen Japan und der Türkei spüre, und die auch jeder den ich getroffen habe, der beide Nationen kennt, bislang bestätigt hat. Es ist viel mehr die Tatsache, dass es für mich das nächst mögliche "Asien" ist, das ich von Deutschland aus haben kann. Japan ist so weit weg und all das was dazwischen liegt kenne ich nicht und existiert mehr oder weniger nur in meiner Vorstellung. Deswegen suche ich dort auch immer, anders als die meisten Turkophilen, nicht den "Zauber des Orients", sondern die Mongolen, die Pferde, die Steppen, die Weite. Also das, was für mich "Asien" bedeutet.
Donnerstag, 19. August 2010
Sometimes happy, sometimes sad
Ich habe Berlin ja wirklich gern. Hier sind Dinge möglich, die es anderswo in Deutschland nicht gibt - positiv wie negativ. Heute war wieder mal so ein Tag, an dem ich dieser Stadt nichts abgewinnen konnte.
Wenn man morgens zwei S-Bahnen verpasst, weil die BVG-Automaten a) kryptisch sind ("Okay, anscheinend GIBTS einfach keine WOCHENkarten.") und b) 300 Jahre zum Ausdrucken von vier Fahrscheinen brauchen ... und wenn dann ein besoffener Italiener samt Bierflasche in der Hand in Bühnenlautstärke einen Typen volllabert ... wenn daneben noch ein Kind rumplärrt ... und schließlich fünf Leute meinen, es sei eine gute Idee mit Fahrrad S-Bahn zu fahren und auch allesamt in den selben Wagen zu steigen ... Ja. Dann denke ich wieder über den schmalen Grat zwischen "freilebig" und "asozial" nach. Und dass von beidem echt genug vorhanden ist hier, so schönschrecklich das auch ist.
Wenn man morgens zwei S-Bahnen verpasst, weil die BVG-Automaten a) kryptisch sind ("Okay, anscheinend GIBTS einfach keine WOCHENkarten.") und b) 300 Jahre zum Ausdrucken von vier Fahrscheinen brauchen ... und wenn dann ein besoffener Italiener samt Bierflasche in der Hand in Bühnenlautstärke einen Typen volllabert ... wenn daneben noch ein Kind rumplärrt ... und schließlich fünf Leute meinen, es sei eine gute Idee mit Fahrrad S-Bahn zu fahren und auch allesamt in den selben Wagen zu steigen ... Ja. Dann denke ich wieder über den schmalen Grat zwischen "freilebig" und "asozial" nach. Und dass von beidem echt genug vorhanden ist hier, so schönschrecklich das auch ist.
Donnerstag, 22. Juli 2010
Highlight des Tages
Gestern war ich auf dem Heimweg vom Postbesuch in einem der gefühlt 300 Spätis in meiner unmittelbaren Umgebung. Der indische Besitzer – in Friedrichshain scheint es einfach keine Türken zu geben – begrüßte mich mit „guten Taaaag, schöne Fraauuu!“. Er wiederholte das „schöne Frau“ während meines anderthalbminütigen Eiskaufs noch dreimal, fügte in die Hymne noch meine bunte Blumenbrosche ein und setzte zum Abschied mit „WIRKLICH schöne Frau“ noch mal einen oben drauf.
Das war das Highlight meines Tages. (Es war mal wieder Heimarbeit angesagt.)
Was sagt das uns? „Ich werde alt bzw. langsam echt eine oba-san“? Oder „mein Alltag ist armselig“? Oder beides? (Uaaaaaahh!)
Wie gut, dass mich gleich am nächsten Tag folgende Meldung gerettet hat:
„Einer Studie zufolge sind Frauen, die das 31. Lebensjahr erreicht haben, auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit angelangt.“
Der Mann hatte also Recht.
Und: Ich will nix hören von „dann geht’s ab jetzt ja abwärts“.
Das war das Highlight meines Tages. (Es war mal wieder Heimarbeit angesagt.)
Was sagt das uns? „Ich werde alt bzw. langsam echt eine oba-san“? Oder „mein Alltag ist armselig“? Oder beides? (Uaaaaaahh!)
Wie gut, dass mich gleich am nächsten Tag folgende Meldung gerettet hat:
„Einer Studie zufolge sind Frauen, die das 31. Lebensjahr erreicht haben, auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit angelangt.“
Der Mann hatte also Recht.
Und: Ich will nix hören von „dann geht’s ab jetzt ja abwärts“.
Mittwoch, 14. Juli 2010
WM 2010 - Zwischenbilanz V, over and out
E. Sonstiges → Männer & Schlussbilanz
In jeder Zeitung, Sendung, sonst was ist sie alle WM-Jahre wieder am Start: die Liste der Top-Spieler aus der Sicht der Frauen. Grauenhaft. Als würden Frauen nur aus diesem einen Grund Fußball gucken. Was’n Blödsinn. Liebe Leute! So was wie die Spiele URU-FRA (0-0) oder JPN-PAR (120 min 0-0 auf Drittliganiveau) erträgt niemand freiwillig. Selbst dann nicht, wenn elf Roque Santa Cruzes gegen Johnny Depp, George Clooney und Robert Pattinson spielen würden!
Klar guckt man sich den einen oder anderen Spieler genauer an. Es sind ja nun mal keine Kühlschränke, die da auf dem Platz stehen. Aber es ist definitiv nebensächlich.
Nun gut, was soll’s. Hier also die Kategorie „Perfekte Manndeckung“, „Lizenz zum Trikottausch“, „Immer ein Volltreffer“ oder wie die ganzen miesen Frauenzeitschriftsüberschriften heißen. Und nebenbei kann ich so auch die Schlussbilanz ziehen, schließlich ist die WM vorbei.. Allerdings ließ sich auch hier ein ganz klarer Qualitätsverlust beobachten. Gerade die Italiener enttäuschten auch in diesem Punkt extremst (Paolo, dove sei?!).
1. Philipp Lahm (GER)
Mal ehrlich: Wem geht eigentlich NICHT das Herz auf, wenn der strahlt? Und seine Wimpern! Sie werfen SCHATTEN! Hallo?! Gehört aber definitiv in die Abteilung „Haustier/ Kuscheldecke“.
2. Diego Forlán (URU)
Ein Mann, ein Name. Ein Gesicht und ein Körper wie aus Lysipps Hand. Wenn sein Stern weiter so steigt, ist er irgendwann jedoch nicht bei Madam Tussaud’s, sondern in der Antikenabteilung des Pergamonmuseums zu sehen. Dass seine Augen mit der uruguayschen Trikotfarbe harmonieren, ist ebenso von Vorteil wie sein niedliches Englisch. Zudem wurde er völlig zu Recht zum „Spieler des Turniers“ gewählt (sein 2-1 im Spiel gegen Deutschland – unvergesslich) – Erfolg macht einfach sexy!
3. Mesut Özil (GER)
Gib mir ein Ö! Auf den ersten Blick keine Schönheit – ihm werden Augen wie Schildkröten etc. nachgesagt. Aber dann, diese eleganten, federleichten Bewegungen, diese Pässe, und das Strahlen nach einem erfolgreichen Tor/Assist ... das hat schon was. Allerdings spricht er wie ein Türsteher aus Gelsenkirchen. Was auch schon wieder nett ist.
4. Serdar Tasci (GER)
Jaaaa, okaaaay, ich habe eine Schwäche für türkische Männer, bzw. eine bestimmte Sorte davon. Schade nur, dass er erst im Spiel um Platz 3 für eineinhalb Minuten zum Einsatz kam. Derweil muss man eben mit seiner BOSS-Werbung bei Douglas vorlieb nehmen ... woo-hooo!
5. Jesús Navas (ESP)
Wie konnten wir (= Muttern, Kollegin und ich) DEN die ganze Zeit übersehen?! Erst bei seiner Einwechselung im Finale entdeckt. Also, diese Augen ... hat nicht nur die weiblichen Zuschauer, sondern auch die holländische Linksverteidigung in Ohnmacht gestrahlt, schließlich lief’s nach seiner Einwechslung deutlich besser für die Spanier. Sein Alter von 25 Jahren macht Hoffnung auf ein Wiedersehen 2012 und 2014.
6. Enrique Vera (PAR)
Typ Fernfahrer/ Fußballer der alten Schule, die Sorte also, die heutzutage seltener über den Platz schleicht. Exoten haben einfach ihren ganz eigenen Reiz.
7. Iker Casillas (ESP)
Klar, er sieht schon ganz gut aus. Doch allein dafür, dass er dieser WM den Telenovela-Moment bescherte, muss man ihn lieben. Als Iniesta in der 116. Minute das Siegtor machte, blieb er fast regungslos in seinem Kasten stehen, schlug die Handschuhhände vors Gesicht – und fing an zu schluchzen. Vier Minuten später, als alle Spanier (hatten die auch einen Kader von 23?? Ich hatte das Gefühl, da waren mindestens 100 von denen auf dem Platz?) übereinander herfielen, musste San Iker, inzwischen hemmungslos heulend, getröstet werden. Und dann … ja, dann kam der Kuss aller Küsse: Seine Freundin, TV-Reporterin und ebenfalls völlig aus dem Häuschen, versuchte ihn möglichst nüchtern zu interviewen. Als er dann seiner Freunde und Familie gedachte, fing er schon wieder an zu flennen. Kurzerhand, als eine Art Übersprungshandlung, riss er seine Sara an sich und gab ihr, vor laufender Kamera, einfach einen dicken Knutscher auf den Mund. Ein großer „Oooooooooh“-Seufzer dürfte über die iberische Halbinsel geschwappt sein.
Sonderpreis: Paul (ENG bzw. GER (eingebürgert))
Er ist der beste Orakelkrakel der Welt und einfach total süß. Und vermutlich schlauer als die meisten der hier erwähnten Kicker. Paul for President!
P.S.: Irgendwie finde ich es jetzt peinlich, dass der Eintrag zu diesem Thema am längsten geworden ist. Grrr!
P.P.S.: Also noch ein Wort zum Finale: Es war das zweitschlechteste Finale (nach 2006). Unglaublich, was diese Kung-Fu Holländer und der blind-taube Schiedsrichter einem da zugemutet haben. Iniestas Tor war wirklich eine Erlösung – und der Beweis dafür, dass es doch einen (gerechten) Gott des Fußballs gibt.
In jeder Zeitung, Sendung, sonst was ist sie alle WM-Jahre wieder am Start: die Liste der Top-Spieler aus der Sicht der Frauen. Grauenhaft. Als würden Frauen nur aus diesem einen Grund Fußball gucken. Was’n Blödsinn. Liebe Leute! So was wie die Spiele URU-FRA (0-0) oder JPN-PAR (120 min 0-0 auf Drittliganiveau) erträgt niemand freiwillig. Selbst dann nicht, wenn elf Roque Santa Cruzes gegen Johnny Depp, George Clooney und Robert Pattinson spielen würden!
Klar guckt man sich den einen oder anderen Spieler genauer an. Es sind ja nun mal keine Kühlschränke, die da auf dem Platz stehen. Aber es ist definitiv nebensächlich.
Nun gut, was soll’s. Hier also die Kategorie „Perfekte Manndeckung“, „Lizenz zum Trikottausch“, „Immer ein Volltreffer“ oder wie die ganzen miesen Frauenzeitschriftsüberschriften heißen. Und nebenbei kann ich so auch die Schlussbilanz ziehen, schließlich ist die WM vorbei.. Allerdings ließ sich auch hier ein ganz klarer Qualitätsverlust beobachten. Gerade die Italiener enttäuschten auch in diesem Punkt extremst (Paolo, dove sei?!).
1. Philipp Lahm (GER)
Mal ehrlich: Wem geht eigentlich NICHT das Herz auf, wenn der strahlt? Und seine Wimpern! Sie werfen SCHATTEN! Hallo?! Gehört aber definitiv in die Abteilung „Haustier/ Kuscheldecke“.
2. Diego Forlán (URU)
Ein Mann, ein Name. Ein Gesicht und ein Körper wie aus Lysipps Hand. Wenn sein Stern weiter so steigt, ist er irgendwann jedoch nicht bei Madam Tussaud’s, sondern in der Antikenabteilung des Pergamonmuseums zu sehen. Dass seine Augen mit der uruguayschen Trikotfarbe harmonieren, ist ebenso von Vorteil wie sein niedliches Englisch. Zudem wurde er völlig zu Recht zum „Spieler des Turniers“ gewählt (sein 2-1 im Spiel gegen Deutschland – unvergesslich) – Erfolg macht einfach sexy!
3. Mesut Özil (GER)
Gib mir ein Ö! Auf den ersten Blick keine Schönheit – ihm werden Augen wie Schildkröten etc. nachgesagt. Aber dann, diese eleganten, federleichten Bewegungen, diese Pässe, und das Strahlen nach einem erfolgreichen Tor/Assist ... das hat schon was. Allerdings spricht er wie ein Türsteher aus Gelsenkirchen. Was auch schon wieder nett ist.
4. Serdar Tasci (GER)
Jaaaa, okaaaay, ich habe eine Schwäche für türkische Männer, bzw. eine bestimmte Sorte davon. Schade nur, dass er erst im Spiel um Platz 3 für eineinhalb Minuten zum Einsatz kam. Derweil muss man eben mit seiner BOSS-Werbung bei Douglas vorlieb nehmen ... woo-hooo!
5. Jesús Navas (ESP)
Wie konnten wir (= Muttern, Kollegin und ich) DEN die ganze Zeit übersehen?! Erst bei seiner Einwechselung im Finale entdeckt. Also, diese Augen ... hat nicht nur die weiblichen Zuschauer, sondern auch die holländische Linksverteidigung in Ohnmacht gestrahlt, schließlich lief’s nach seiner Einwechslung deutlich besser für die Spanier. Sein Alter von 25 Jahren macht Hoffnung auf ein Wiedersehen 2012 und 2014.
6. Enrique Vera (PAR)
Typ Fernfahrer/ Fußballer der alten Schule, die Sorte also, die heutzutage seltener über den Platz schleicht. Exoten haben einfach ihren ganz eigenen Reiz.
7. Iker Casillas (ESP)
Klar, er sieht schon ganz gut aus. Doch allein dafür, dass er dieser WM den Telenovela-Moment bescherte, muss man ihn lieben. Als Iniesta in der 116. Minute das Siegtor machte, blieb er fast regungslos in seinem Kasten stehen, schlug die Handschuhhände vors Gesicht – und fing an zu schluchzen. Vier Minuten später, als alle Spanier (hatten die auch einen Kader von 23?? Ich hatte das Gefühl, da waren mindestens 100 von denen auf dem Platz?) übereinander herfielen, musste San Iker, inzwischen hemmungslos heulend, getröstet werden. Und dann … ja, dann kam der Kuss aller Küsse: Seine Freundin, TV-Reporterin und ebenfalls völlig aus dem Häuschen, versuchte ihn möglichst nüchtern zu interviewen. Als er dann seiner Freunde und Familie gedachte, fing er schon wieder an zu flennen. Kurzerhand, als eine Art Übersprungshandlung, riss er seine Sara an sich und gab ihr, vor laufender Kamera, einfach einen dicken Knutscher auf den Mund. Ein großer „Oooooooooh“-Seufzer dürfte über die iberische Halbinsel geschwappt sein.
Sonderpreis: Paul (ENG bzw. GER (eingebürgert))
Er ist der beste Orakelkrakel der Welt und einfach total süß. Und vermutlich schlauer als die meisten der hier erwähnten Kicker. Paul for President!
P.S.: Irgendwie finde ich es jetzt peinlich, dass der Eintrag zu diesem Thema am längsten geworden ist. Grrr!
P.P.S.: Also noch ein Wort zum Finale: Es war das zweitschlechteste Finale (nach 2006). Unglaublich, was diese Kung-Fu Holländer und der blind-taube Schiedsrichter einem da zugemutet haben. Iniestas Tor war wirklich eine Erlösung – und der Beweis dafür, dass es doch einen (gerechten) Gott des Fußballs gibt.
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